Apfelschorle

Fahrrad-Erlebnis: „Apfelschorle“

In jedem meiner Artikel appelliere ich eindringlich an meine Leser für eine Radtour immer genügend Flüssigkeit einzupacken, und jetzt habe ich selbst fast nichts mehr. Und das Wenige das mir geblieben ist, hat inzwischen eine solch lauwarme Temperatur, dass es ungenießbar erscheint. Es ist aber auch ein mehr als heißer Tag, und ich habe seit dem Morgen mindestens sieben Liter Flüssigkeit in mich hineingeschüttet. Jeder Schluck läuft einfach durch meinen Körper hindurch und verdunstet im Fahrtwind. Mit der in dieser Gegend sehr hügeligen Streckenführung und dem damit verbundenen Kraftaufwand wird das auch nicht besser. Ich brauche dringend Nachschub, der aber in diesem recht dünn besiedelten Landstrich nicht so einfach zu bekommen ist.

Samt meinem lauwarmen Getränkerest komme ich völlig ausgetrocknet in dem idyllischen Ort Mistlau an. Wenn ich etwas zu trinken hätte, könnte ich diese wunderschöne Gegend ja auch genießen. Aber im Moment besteht der einzige für mich relevante Genuss in dem Auffinden eines kühlen Getränks. Etwas Süßes wäre auch nicht schlecht, damit die verbrauchte Energie wieder zurückkommt. Ah, da ist ja schon die ortsansässige Gaststätte. Hoffnungsfroh und voller Vorfreude auf eine Apfelschorle stelle ich mein Fahrrad ab und gehe auf die Eingangstüre zu. Ich kann dieses angenehme Prickeln des goldgelben Getränks schon regelrecht spüren. Wenn das erfrischende Nass den trockenen Mund benetzt und seine kühlenden Wogen den Körper durchfluten, schmeckt es nach der Leidenschaft eines Jungbrunnens in der ausgedörrten Wüste.

Aber was ist das? „Dienstag Ruhetag!“ Ein unbarmherziges Schild reißt mich aus den Träumen eines Verdurstenden. ‚Das ist doch typisch Deutschland‘, denke ich und lasse meinem Groll freien Lauf. ‚Da bist du kurz vorm Verhungern und Verdursten, hast endlich eine Gaststätte mitten im schwäbischen Niemandsland gefunden, und was passiert? Na, was passiert? Die wegen rückläufiger Gästezahlen ständig jammernde Gastronomie hat Ruhetag. Und das auch noch an einem Dienstag. Und ausgerechnet wenn ich platt, ausgetrocknet, hungrig und kaputt hier ankomme. Ich, ein in meinem Zustand eindeutiger Garant für Umsatz.‘ Ich kann es nicht fassen. Zähneknirschend gehe ich zurück zu meinem Fahrrad und esse vor lauter Frust und Ärger meinen letzten trockenen Müsli-Riegel. Dazu trinke ich mein lauwarmes und somit äußerst magenfreundliches Wasser. Welch ein grandioses Menü!

Wahrscheinlich hat das Kauen des verdorrten Müsli-Riegels unüberhörbar laut geknirscht, denn plötzlich öffnet sich das Fenster des Gasthofs, und eine nette freundliche Dame schaut heraus. „Möchten Sie etwas trinken?“, fragt mich die Dame des Hauses. Den Mund voller Müsli, kann ich nur heftig zustimmend nicken. „Wäre eine Apfelschorle recht?“ Ich bekomme vor lauter freudigem Erstaunen und einer spröden Müsli-Blockade kein Wort über die Lippen. Aber die nette Wirtin hat mein zustimmendes Nicken und meinen sehnenden Blick trotzdem verstanden. „Einen kleinen Moment, ich bring’s Ihnen raus“, sagt sie und zieht sich zurück, um alles Weitere zu erledigen. Nach einer Weile kommt sie mit einer großen Apfelschorle vor die Tür und sagt: „Heute ist es sehr heiß. Trinken Sie nur, bei einer solchen Hitze kostet die Schorle für Sie nichts. Wir haben zwar Ruhetag, aber zu trinken gibt es bei uns immer was.“ Ich weiß gar nicht, wie mir geschieht und wie ich mich bei der Frau Wirtin für diese unvergleichliche Freundlichkeit bedanken soll. Nachdem ich mit einem großen Schluck Schorle meine Müsli-Blockade aufheben kann, stammle ich inbrünstig: „Vielen herzlichen Dank.“ „Gern geschehen“, sagt sie und geht ins Haus zurück. Nur wenige Sekunden später ist das Glas leer. So gestärkt, mache ich mich frohgemut wieder auf den Weg.

Nach einem solch eindrucksvollen Erlebnis muss ich mit allem Nachdruck betonen, dass es in der Gastronomie auch äußerst freundliche und zuvorkommende Menschen gibt. Und das sogar in Baden-Württemberg. Ich bin begeistert! Ein dreifach Hoch auf die Frau Wirtin vom Gasthof „Zur Lindenau“ in Kirchberg-Mistlau an der wunderschönen Jagst!

Wenn auch Sie Ihren Durst nach weiteren Erlebnissen auf der Radtour an der anspruchsvollen Jagst löschen wollen, schauen Sie doch einfach auf www.jagsttour.de vorbei.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und allzeit gute Fahrt!

Ihr
Benno Siegrist
 
 

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