Götz von Berlichingen

Fahrrad-Erlebnis:
„Mit Götz von Berlichingen an der Jagst“

Schon wieder hatte der Götz Ärger mit der Obrigkeit. Sauer war er über diese unfehlbaren arroganten Pfaffen aus Mainz. Und wenn Herr Götz von Berlichingen ärgerlich wurde, bedeutete das meistens Krieg. Also sammelte er alle wehrhaften Männer seines Gefolges um sich und zog 1515/1516 durch das Gebiet der Jagst, das zu dieser Zeit dem Erzbischof Albrecht von Mainz unterstellt war. Dabei war dies sicherlich keine fröhliche Wanderung oder gar eine gesunde Fahrradtour, die der Götz da unternahm. Ganz im Gegenteil, er pflügte mordend und brandschatzend durch die Landschaft und hinterließ auf seinem Weg ein unübersehbares, bitteres Chaos. Tatsächlich war keiner der Bewohner dieses Landstrichs über seinen Tod und Verwüstung bringenden Besuch erfreut.

Den unerbittlichen Zorn im Gepäck und inzwischen sehr viel Blut am Schwert, kam er mitten in der Nacht nach Krautheim. Auf der dortigen Burg hatte einer der Lieblinge von Erzbischof Albrecht den Oberbefehl inne. Es war der Mainzer Amtmann Max Stumpf. Diesen überheblichen Schnösel konnte Götz noch nie leiden. ‚Diesem faulen Pfaffenknecht werde ich eine besondere Nacht bescheren‘, muss sich der Götz gedacht haben, als er grollend zur Burg hochblickte. Kurzerhand befahl er eine Scheune anzuzünden, die sich direkt unterhalb der Burg befand. Die Kriegsherren von damals hatten schon eine ganz besondere Art, ihre Anwesenheit anzukündigen.

Durch das lodernde Feuer der Scheune und den ohrenbetäubenden Lärm von Götzens Waffenknechten wurde Max Stumpf jäh aus dem Schlaf gerissen. Erschreckt sprang er aus dem Bett und schaute ungläubig durch sein Fenster. Als er damals in die Burg eingezogen war und sich das Zimmer mit dem schönsten Ausblick auf das Jagsttal gesichert hatte, war er noch erfreut und glücklich über seine Errungenschaft gewesen. Nie hätte er geglaubt, beim Blick aus seinem Fenster statt der lieblichen Landschaft einen solch grauenvollen Anblick ertragen zu müssen. Hunderte von schwer bewaffneten Männern scharten sich um ein immens loderndes Feuer. Und mitten unter ihnen sein schlimmster Feind, Götz von Berlichingen. Im ersten Moment glaubte er noch an ein Trugbild, das ihm seine schlaftrunkenen Augen vermitteln wollten. Doch als sein zu Tode erschrockener Leibdiener in das Schlafgemach stürzte, konnte er schon in dessen bleichem Gesicht die bittere Wahrheit erkennen. Es war tatsächlich Götz von Berlichingen, der mit seiner ganzen Streitmacht am Fuße der Burg stand. Schnell befahl Max Stumpf den Seinen, alle Tore zu schließen und die gesamte militärische Besatzung in Alarmbereitschaft zu versetzen. Dem Götz von Berlichingen ließ er mitteilen, dass er auf Burg Krautheim nicht willkommen war.

Da war der Götz aber mehr als erzürnt. Hatte er doch niemals geplant, diese Burg Krautheim mit seinem unbedeutenden Amtmännlein anzugreifen. Ein höfliches Feuerchen hatte er für diesen Pfaffenwicht aus Mainz entfacht. Den anständigen Gruß eines gestandenen Heerführers wollte er diesem undankbaren Wichtel senden. Und was tat dieser humorlose Mensch namens Max Stumpf? Er haute ihm die Tür vor der Nase zu und behandelte ihn wie einen räudigen Hund. Voller Zorn blickte der Götz hinauf zum Turm der Burg, in dem sich Amtmann Stumpf wegen der offensichtlichen Bedrohung ängstlich verbarg. Er, Götz von Berlichingen, der immer stolz seinen Mann gestanden hatte und vor nichts und niemandem jemals gekrochen war, sollte sich von solch einem katholischen Würstchen verhöhnen lassen? Also machte er seinem Ärger Luft und schrie aus stolzer Brust: „Sage deinem Herren, er kann mich hinden lekhen!“ Sprach es und zog mit seinem Heer von dannen. Da in der damaligen Zeit zwischen dem Jagstufer und der Burg keine Bäume standen, war diese Botschaft für den Amtmann Stumpf unüberhörbar.

Nun fragt sich mancher, warum dieser Draufgänger Götz von Berlichingen die Burg nicht angegriffen und zerstört hat. Er war doch sonst nicht so zimperlich. Wir werden die Wahrheit wahrscheinlich nie erfahren. Eine Vermutung ist, dass er den Amtmann am Leben lassen wollte und ihm somit die Möglichkeit gab, seinem Herrn, dem Erzbischof Albrecht von Mainz, diese überaus deutlichen Worte zu übermitteln. Zu dieser Zeit war eine solche Beleidigung für den Erzbischof nämlich weitaus schlimmer als eine zerstörte Burg Krautheim. Um dies tatsächlich zu verstehen, müssen wir uns einen längst vergessenen Aspekt des damaligen Glaubens vor Augen führen. Die wahre Beleidigung ist nicht in dem für uns heutige Erdenbürger offensichtlichen unhygienischen Teil der Aufforderung des „hinden lekhens“ zu finden. Nein, sie liegt vielmehr darin begründet, dass der Götz dem Erzbischof sein entblößtes Hinterteil entgegen strecken müsste, damit ihn dieser „hinden lekhen“ könnte. Genau diese Bewegung mit dem blanken Hintern wurde damals für die Vertreibung von Dämonen praktiziert. Somit wurde der Erzbischof, ein sehr hoher Würdenträger der katholischen Kirche, einem Dämon gleichgesetzt. Zusätzlich drückte der Götz mit seinen Worten ungefähr das gleiche aus, als ob er gesagt hätte: „Dich Dämon vertreibe ich mit meinem blanken Hinterteil.“ Nicht allein, dass der Erzbischof mit einem Dämon verglichen wurde, er sollte auch noch vertrieben werden. Dies entsprach einer deutlichen Kriegserklärung, weswegen der Götz von Berlichingen ja gerade auf seiner Jagsttour von 1515/1516 unterwegs war. Da Klappern in jenen Tagen wie auch heute zum Handwerk gehört, ist der Spruch des Götz von Berlichingen für einen selbstbewussten Heerführer als durchaus typisch anzusehen.

Es herrschten eben raue Sitten in der guten alten Zeit!

Wer noch mehr über Götz von Berlichingen und auch über die Radtour an der Jagst erfahren möchte, kann gerne in meiner Buchreihe zu dieser Jagsttour stöbern.

ZUR RADTOUR AN DER JAGST
 
 

You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a Reply

Powered by WordPress | Designed by: video games | Thanks to Weihnachtsgeschenke Ideen, SUV and game videos