Radel Muttis

Fahrrad-Erlebnis: „Radel-Muttis“

Nein, mit „Radel-Muttis“ sind nicht die älteren rüstigen Damen gemeint, die in respektvollem Abstand hinter ihrem Gatten herradeln. Auch sollten Sie die „Radel-Muttis“ nicht mit den jüngeren Damen verwechseln, die ihren in die Jahre gekommenen Sponsor im Schlepptau haben.

„Radel-Muttis“ sind vielmehr die Menschen weiblichen Geschlechts, die sich auf das vierzigste Lebensjahr zu bewegen. Oftmals leben sie in einem wohldefinierten Ehe- oder Beziehungsverhältnis und haben das Glück, mit aktuell pubertierenden Kindern gesegnet zu sein.

Gehen wir bei unserer Betrachtung davon aus, dass unsere „Radel-Mutti“ mit zwei pubertierenden Jungs beglückt ist. Einer dieser Jungs ist ihr Sprössling im Alter von ungefähr zwölf Jahren, oder wann immer die Pubertät bei der heutigen Jugend beginnt oder noch anhält. Nun ja, und der zweite dieser Jungs ist der Familienvater. Es mag lächerlich klingen, aber bei den meisten Familienvätern ist nicht exakt erkennbar, ob sie sich noch oder vielleicht schon wieder in der Pubertätsphase befinden. Der Hintergrund dieses väterlichen Verhaltens ist aber nicht wirklich lächerlich, sondern ein eher ernstes Thema. Denn, der Papa ist ja im Rahmen seines erzieherischen Auftrags gezwungen, dem Sprössling deutlich erkennbar zu zeigen, dass er das Familienoberhaupt und somit, nicht mehr lange aber immer noch, der sowohl geistig als auch körperlich besser Bestückte ist. Der Sohnemann hingegen muss im Sinne seiner allumfassenden Entwicklung ständig die Grenzen seines Verhaltens erforschen. Außerdem ist er gerade mit Mama und Papa auf einer ekelhaft langweiligen Fahrradtour unterwegs. Keine Action, kein Nervenkitzel. Auch ist keiner seiner Kumpels in der Nähe, mit dem er sich austauschen oder balgen oder toben könnte. So kommt es zwangsläufig zu einem Kräftemessen zwischen Vater und Sohn.

Ein kurzer Blick zwischen den beiden artverwandten Kontrahenten genügt, um den Startschuss zu einer wegweisenden Sprinteinlage zu geben. Schon zieht der Junge an dem Alten vorbei und gibt das Tempo vor. Unwiderstehlich setzt der Alte seine durch die Jahre gestählten Muskeln ein, um den Angriff des Jungen zu kontern. Ein packendes Kopf-an-Kopf-Rennen beginnt. Immer größer wird die Geschwindigkeit der beiden Gegner. Gnadenlos drängen sie alles und Jeden in den nahe gelegenen Graben des Radweges. Unbarmherzig rast der Puls und das Herz jagt am Rande seiner Leistungsfähigkeit den roten Lebenssaft durch die anschwellenden Adern. Die Bronchien geben den altersbedingten Pfeifton einer Dampflokomotive von sich und leiten die dringend benötigte Luft in die Lungen. Alle Muskeln sind aufs Äußerste gespannt und zu übernatürlicher Höchstleistung bereit. Ein Rennen, das enger und spannender nicht sein kann. Ein Rennen, das an Dramatik nicht zu überbieten ist. Doch plötzlich, wie auf ein geheimes unhörbares Kommando, kommen beide nach einer abrupten Bremseinlage nebeneinander zum Stehen. Schweißgebadet schauen sie sich keuchend ins Gesicht. Dann blicken sie den Weg zurück. Wieder ein wenig zu Atem gekommen fragt der Vater: „Wo ist denn Mutti?“

Ja, die Mutti. Da hat sie sich das ganze Jahr auf diesen Urlaub gefreut. Sie und ihre beiden geliebten Männer gemeinsam im Urlaub. Mit dem Fahrrad bei schönem Wetter in der frischen Luft. Traumhafte gesunde Natur, die liebe Familie zwei Wochen vereint. Und jetzt das! Junior hat so lange genervt und Papa so lange provoziert, bis ein Wettrennen unvermeidbar war. Das war vor einer halben Stunde. Seit dieser Zeit hat sie nichts mehr von den beiden gesehen oder gehört. Und jetzt ist sie auch noch müde und kaputt, weil sie versucht hat, den beiden zu folgen. Damit hat sie ihre körperlichen Möglichkeiten weit überschritten. ‚Hoffentlich ist nichts passiert‘, denkt sie und schleppt sich mühselig von einer Pedalumdrehung zur nächsten. ‚Ich könnte den beiden links und rechts eins hinter die Ohren hauen. Ist das notwendig gewesen, dass die ein Radrennen veranstalten? Solche Kindsköpfe! Der Alte noch schlimmer als der Junge. Was da alles passieren kann! Und jetzt sind die beiden weg und da vorne gabelt sich der Weg. Welchen von den beiden Wegen nehme ich denn? Mensch, auch das noch‘, grummelt sie vor Sorge und Wut in sich hinein. Sie nähert sich langsam, aber stetig der Weggabelung. Ihre Beine schmerzen von der Anstrengung. Durst hat sie, Hunger hat sie und ihre Sitzgelegenheit war auch schon deutlich bequemer.

Zwei Radler kommen ihr entgegen und winken ihr zu. Es sind ihre beiden Männer. Alle halten an und steigen vom Fahrrad. Der Junge begrüßt sie fröhlich: „Hallo Mutti! Sag mal, wo bleibst du denn?“ Sie wirft dem noch vor kurzer Zeit über alles geliebten Sohn einen niederschmetternden Blick zu. Alle Wut und Sorge ob dieser sinnlosen Männeraktion entlädt sich in ihren Augen. Auch ohne Worte sind ihre Signale so deutlich, dass der Sohn sofort jede weitere Konversation als unpassend einschätzt. Sie bringt ihr Fahrrad mit überdeutlicher Gestik in die Spur, steigt in den Sattel und fährt wortlos an ihren Männern vorbei. ‚Mit euch beiden rede ich kein Wort mehr. Nein, nie mehr!‘, denkt sie, immer noch erbost über die Kindereien dieser beiden Pubertätsbestien. Aber Muttis sind gar nicht so böse und nachtragend, wie es oftmals den Anschein hat. Deshalb genügen nur einige wenige Sekunden, bis sie sich wieder beruhigt hat. ‚Naja, eigentlich haben sich meine Buben ja nur ausgetobt. Aber, eine kleine Strafe muss trotzdem sein. Deshalb werde ich die beiden in der nächsten Stunde ignorieren. Und wenn sie dann recht lieb zu mir sind, dann werde ich ihnen auch verzeihen. Lieb hab ich sie ja doch, meine Süßen‘, schmunzelt sie vor sich hin und fährt einige Pedalumdrehungen weiter.

Schon hört sie, wie sich ihr zwei Fahrräder von hinten nähern. „Schatz“, hört sie die Stimme ihres Mannes rufen. „Schatz, halt doch mal bitte an.“ Zufrieden und glücklich denkt sie: ‚Wusst‘ ich’s doch. Schon kommt mein Süßer und will mich beschwichtigen.‘ Da es aber taktisch unklug wäre, sofort anzuhalten, radelt sie erst einmal unvermindert weiter. „Komm, mein Schätzelein, halt doch bitte an. Bitte, meine Süße.“ Es macht sie so glücklich und zufrieden, solch schöne Worte mit der reuigen Stimme ihres Mannes zu hören. Also hält sie tatsächlich an, steigt vom Fahrrad und dreht sich erwartungsvoll um. „Schatz“, fährt ihr Mann mit liebevoller Stimme fort, „wir müssen den rechten Weg nehmen und nicht den linken, wie du das gerade getan hast.“ Sie blickt in zwei breit grinsende Gesichter und spürt, wie ihr Blutdruck ins Unermessliche steigt.

‚Nein! Kein Wort rede ich mehr mit euch! Kein einziges!! Nie mehr!!!‘

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